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23. Juli 2013

Rieselfeld

Waldorfschüler putzen ihre Schule - als Angestellte

Als Reinigungskraft in der eigenen Schule: An der Freien Waldorfschule im Rieselfeld machen Schüler als Angestellte ihr Schulgebäude sauber.

  1. Putzende Schüler (von links nach rechts): Hannah Crowder, Moira Heeg, Tillmann Glowka, Tobias Grüllmeier und Helena Fink. Im Vordergrund: die Staubsauger Henriette und Henri. Foto: Ingo schneider

In Form einer liegenden Acht wischt Moira Heeg (13) den Schulflur. "Ich wollte mal richtig mit Vertrag und so arbeiten", sagt sie. Einen richtigen Vertrag hat sie inzwischen, genau wie 29 weitere Mitschülerinnen und Mitschüler der Freien Waldorfschule in Rieselfeld. Sie gehören der Anfang Juni gegründeten Schülerputzkolonne an.

Vor der Idee, Schüler anzustellen, stand an der Schule die Unzufriedenheit mit einer externen Reinigungsfirma. "In einem langen Prozess haben wir überlegt, wie es weitergehen soll", sagt Kornelia Wahl, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit. In einem Arbeitskreis kam bald die Idee, Linda Thomas zu einem Vortrag einzuladen. Die in der Schweiz lebende Reinigungsfachfrau betreibt eine ökologische Putzfirma und hat den Gedanken der saubermachenden Schüler schon an mehrere deutsche Waldorfschulen exportiert.

Es gehe nicht darum eine Alternative zu externen Firmen zu finden – "Wir haben dadurch keinerlei Ersparnis", erklärt Kornelia Wahl. Wichtig ist es, den Jugendlichen – die laut Gesetz bis 15 Jahre nur zwei Stunden pro Tag arbeiten dürfen – Einblicke ins Arbeitsleben zu ermöglichen. "Jeder musste sich bewerben und wurde dann zu einem Gespräch eingeladen", erzählt Isabella Durm, eine von zwei Verantwortlichen der Putztruppe. Für ihr Gehalt von fast sieben Euro pro Stunde müssen die Schüler auch mit gewissen Vorgaben klarkommen: Jeder Bereich muss in einer festgelegten Zeit gesäubert werden, das Ergebnis wird überprüft.

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Gereinigt werden vor allem Flure und Toiletten, die Klassenzimmer putzen, wie in Waldorfschulen häufig, Eltern. Auch ans Lehrerzimmer darf die Putzkolonne nicht ran, "da könnten sie vielleicht Sachen sehen, die sich nicht sehen sollten", sagt Durm lachend. Dank eines gespendeten Elektrolyse-Geräts kann aus einfachsten Bestandteilen ein ökologisches Reinigungsmittel hergestellt werden. Befüllt mit Wasser und Salz entsteht darin eine Seifenlösung, die sich gut zum Putzen mit Mikrofasertüchern eignet. Damit wird jedoch erst gewischt, wenn die stromsparenden Staubsauger "Henri" und "Henriette", wie sie liebevoll genannt werden, ihren Dienst getan haben.

Vom Ansturm auf die Stellenanzeige waren Isabella Durm und Brigitte Wörnhör, die das Projekt ebenfalls betreut, überrascht. Nach anfänglichen Bedenken, ob sich überhaupt jemand meldet, mussten Interessierte auf die Warteliste gesetzt werden, falls jemand kündigt – was bisher nicht der Fall war. Als das Team feststand, galt es logistische Probleme zu lösen: Wer putzt wo, mit wem, und wie kann der Job mit Unterricht, Klassenfahrten oder Praktika unter einen Hut gebracht werden? "Vielen ist es wichtig mit guten Freunden in einem Team zu putzen", weiß Durm aus Erfahrung.

Und auch pädagogisch scheint das Angebot wertvoll zu sein. Tobias Grüllmeier (14) gibt zu: "Erst beim Putzen ist mir aufgefallen, dass man nicht so viel Dreck hier machen sollte." Es stört die Jugendlichen nicht, dass sie wegräumen, was Andere liegen lassen. Mehr Rücksicht nehmen die aber nicht, glaubt Moira. Das Saubermachen mag sie trotzdem: "Eigentlich dachte ich, dass Putzen ein blöder Job ist, aber eigentlich ist es total cool." Wenn sie jetzt durchs Gebäude geht, fällt ihr sofort auf, wo es dreckig ist.

Autor: Tobias Heidenreich


1 Kommentar

Kommentar

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Anna Schubert

Registriert seit: 12.08.2009

Kommentare: 300

22. Juli 2013 - 23:50 Uhr

Das hat mindestens eine andere Freiburger Schule schon lange....

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